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An seinem dreißigsten Geburtstag erwacht der Prokurist Josef K. in seiner Wohnung und findet in seinem Zimmer einen fremden Mann, der ihm mitteilt, dass er verhaftet sei. Was die Verhaftung bedeutet, weiß K. nicht. Wer ihn anklagt, weiß er nicht. Was ihm vorgeworfen wird, weiß er nicht. Er darf weiter zur Bank gehen, weiter in seiner Wohnung leben, weiter seinen Kollegen die Hand geben — und gleichzeitig läuft, in einer Stadt, deren Gerichte in Mietshäusern im fünften Stock tagen, ein Verfahren gegen ihn, das er nie zu Gesicht bekommen wird. Vom ersten Verhör in einem überheizten Saal voller heimlicher Beamter bis zum Atelier eines Malers, der die Richter selber porträtiert, vom Krankenbett eines Anwalts, der nichts wirklich tut, bis zur kleinen Kanzel eines Gefängniskaplans im leeren Dom, der ihm die Parabel vom Türhüter erzählt — Kafkas berühmtester Roman, hier in fünf klaren Kapiteln nacherzählt, fragt ohne Pathos die einfachste und unerträglichste Frage der Moderne: Was tut ein Mensch, der sein Leben vor einer Tür verbringt, die für ihn allein bestimmt ist, ohne sich je zu trauen, sie zu durchschreiten — oder wenigstens, einmal in seinem Leben, aufzustehen und zu gehen?
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